Gute Freunde kann niemand trennen, sang schon Kaiser Franz Beckenbauer im Jahr 1966. Die Bundesliga-Tabelle vor dem 23. Spieltag zeigte die aktuell sportliche und fatale Nähe des FC St. Pauli auf Platz 17 und den lieben Nordnachbarn aus Bremen auf dem Relegationsplatz.
Bei herllichem Sprühregen von allen Seiten zog es auch die Nilsson Mandela Allstars mit Hoffnung auf weitere drei Heimpunkte ins Millerntor. Denn bei aller Freundschaft mit unseren Gästen: es zählte nur ein Sieg.
Vor dem Spiel lief “Freunde” von “Die Toten Hosen”. Ein Song, mit dem einige Gorillas ein wunderbares Gefühl verbinden. Nachdem wir im September 2025 im Vega in Kopenhagen durch die Wucht des Konzerts ordentlich auseinander gesprengt wurden, lagen wir uns nach einem intensiven Gig plötzlich und eher magisch zufällig in den Armen. Es gehörte in diesem Moment zusammen, was zusammen gehört.
Wenn das nicht ein gutes Omen für diese Kellerduell war. Spielerisch gab es jedoch insbesondere in der ersten Halbzeit in diesem Derby nichts zu feiern oder gar einen einzigen magischen Moment. Zwei ängstliche und verunsicherte Teams wollten vor allem keinen Fehler machen und so passierte wenig bis nichts im ersten Spielabschnitt.
Genau aus diesem Nichts und nach einem groben Schnitzer von Werder-Keeper Mio Backhaus fiel in der 55. Minute das 1-0. Hauke Wahl köpfte nach einer Flanke von Danel Sinani eher harmlos aufs Tor. Der Ball sprang auf dem tiefen Rasen nicht richtig hoch und war trotzdem mehr als haltbar. Ein wahres Geschenk unserer Gäste und das Millerntor stand Kopf.
Nur sieben Minuten später der Ausgleich. Nach einem Gewusel am eigenen Fünfer bekam unser FC St. Pauli den Ball nicht aus der Gefahrenzone. Der gerade eingewechselte Jovan Milosevic erzielte in Minute 62 das ernüchternde 1-1.
Ganz offen gesagt: Aus unserer Hoffnung wurden Zweifel. Denn genau so baut man einen Gegner auf, der zwölf Spiele in Folge nicht gewonnen hat. Um so wichtiger war die erneute Führung durch Joel Fujita, der in der 70. Minute sein erstes Bundesligator schoß. Jackson Irvine setzte Manolis Saliakas auf der rechten Außenbahn in Szene und der griechische Fußballgott legte in den 16er unserer Nummer 16 auf. Song 2 – Rooooaaaar!
Es lagen lange Minuten mit Zittern und Bangen vor uns. Das war auch den Nilsson Mandela Allstars klar. Der SV Werder Bremen spielte zwar weiter ohne Überzeugung und dennoch wäre ein erneuter Ausgleich der oft besagte tiefe Dolchstoß ins braun-weiße Herz gewesen.
Sechs Minuten Nachspielzeit. Warum auch immer. Bremen warf mit Torhüter Backhaus alles nach vorn. Dann der Schlusspfiff! Ein überlebenswichtiger Heimsieg in diesem 6-Punkte Spiel. Die Tabellenplätze wurden getauscht.
Der Magische FC ist damit weiter im Rennen um den Klassenerhalt und jetzt punktgleich mit dem VfL Wolfsburg. Was wäre das eine Ausgangslage beim Heimspiel am 34. Spieltag….
Wir hoffen, dass auch unsere Bremer Freunde dann noch in der Bundesliga-Verlosung dabei sind. Es gibt andere Nordvereine, die wir gerne unterm Strich sehen würden. Ganz nach dem Motto der Hosen “Hauptsache zusammen und (zur Not) mit dem Kopf durch die Wand. Wir bleiben, wir siegen, weil wir noch Freunde sind!”
Die gemeinsamen Werte beider Clubs zeigten sich übrigens auch bei einer abgestimmten Choreo zum sechsten Jahrestags des Anschlags von Hanau. Auf Bannern in beiden Fanlagern stand: „Say their names!“
Neben all der sportlichen Unterstützung für das eigene Team ein wichtiges Miteinander gegen den Faschismus und gegen das Schweigen.